Europameisterschaft 2006

Wenn mir jemand vor dem Rennen gesagt hätte, Du wirst gesamt Dritter und gewinnst bei den Senioren, ich hätte es mit Freude akzeptiert. Im Nachhinein ist es schon etwas ärgerlich, durch eigene Dummheit, den 2.Platz verschenkt zu haben. In diesem Rennen wurde mir besonders klar, wie enorm wichtig die Arbeit im Begleitfahrzeug ist. Ohne Tina und Moni wäre ich nie soweit gekommen. Nochmals vielen Dank ihr Beiden. Der „ alte Mann „ wird es Euch nie vergessen.

Das Rennen, ausgeschrieben als Europameisterschaft und RAAM- Qualifikation Ultralangdistanz über 720 KM hatte diesmal eine Rekordteilnehmerzahl. 35 Starter hatten gemeldet. Der Bedingungen an diesem Freitag, 30.06.2006 waren für mich optimal. Beim Start um 12:30 Uhr war es sehr warm und der Wind blies aus Ost Nordost Stärke 2-3. Vom Start an merkte ich, dass ich, wie man so schön sagt, heute gute Beine hatte. Ich war mit gemischten Gefühlen angereist. Das Frühjahr verlief alles andere als optimal. Zwei Erkältungen, jeweils im Trainingslager in Kapstadt und auf Mallorca, hatten mich zu jeweils 5 Tagen Pause gezwungen. Auch im weiteren Verlauf des Frühjahres kam ich nicht so recht in Tritt. War es nicht das schlechte Wetter, dann waren es irgendwelche anderen Termine, die mich vom Training abhielten. Erst die letzten 4 Wochen vor dem Rennen, gestalteten sich optimal. Die letzten 5 Tage vor dem Rennen bin ich nur noch einmal 60 KM, lockergefahren. Anscheinend war die Dosierung optimal.

Von Beginn an versuchte ich das Rennen zu kontrollieren. Mein Ziel war es, so lange wie möglich an Pius Achermann, der für mich der Favorit war, dran zu bleiben. Benny Furrer, der Sieger des letzten Jahres, aber auch Michael Dhom, der Zweiter wurde, sah ich ganz vorne. Das Tempo war von Anfang an schnell, stellte für mich jedoch kein Problem dar. Nach dem ersten Anstieg über 10 KM, konnte ich bis zur Baustelle nach Sissach bei KM 43 einen kleinen Vorsprung herausfahren. Leider war der Weg in an der Baustelle nicht gut gekennzeichnet, so dass die Verfolgergruppe wieder aufschließen konnte. Nun änderte ich meine Taktik. Obwohl der Streckenabschnitt bis Koblenz, dort war die nächste grössere Baustelle, mir sehr entgegenkam, fuhr ich eher verhalten. Ich zog es vor, einen ortskundigen Schweizer vorne fahren zu lassen, um mir eine ähnliche Situation zu ersparen. In Koblenz kamen wir in einer Dreiergruppe, mit einem kleinen Viorsprung an. Die Nr. 5, der spätere Sieger Harpe Narr und ich. Durch die Baustelle an der Brücke, musste mein Begleitteam einen anderen, weiteren Weg fahren. Da ich nur eine Trinkflasche am Rad hatte, kam ich an den folgenden 30 KM Anstieg nach Bonndorf leicht dehydriert an. Leichte Krämpfe in den Waden, zwangen mich, das Tempo etwas herauszunehmen. Die Situation nutzte der spätere Sieger aus, um mir wegzufahren. Dies war wohl, schon zu diesem Zeitpunkt die entscheidende Attacke.

Nachdem ich mich wieder erholt hatte, konnte es weitergehen. Ich lag nun klar an zweiter Position und hatte einen guten Rhythmus gefunden. An den Zeitmessstationen gab es keine Pausen. Teilweise bin ich gerannt, um meinen Chip über die Magnetkarte zu ziehen. Es lief optimal. Am Bodensee, nach 266 KM , lag mein Schnitt bei 32,1 KM/h. und ich konnte immer noch zügig fahren. Die schwierigen Abschnitte, Kerenzer Berg ( 10 KM und der Sattel 17 KM), lagen noch vor mir. Auch diese beiden Berge konnte ich ohne Probleme nehmen. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit hatte ich die Radhosen gewechselt und meine Problemstelle am Hintern neu gepflastert. Das Sitzen stellte diesmal kein großes Problem dar.

Um 5:58 Uhr waren wir zum ersten Mal in Affoltern. Noch 80 KM bis Wiedlisbach. Von Verfolgern war weit und breit nichts zu sehen. Meine Zeit war sensationell. Für’s Erste waren die Berge geschafft. Ab jetzt ging es abwärts und eher flach. Nur in Bern wartete noch ein kleiner, 2 KM Anstieg hoch nach Grauholz. Im 37 Schnitt ging’s zur nächste Station. Um 8:24 Uhr war ich zum ersten Mal in Wiedlisbach. 19 Stunden und 54 Minuten. Ich war 1 Std 11 Min. schneller als bei meiner Qualifikation vor 3 Jahren. Ich fühlte mich nach wie vor gut. Zur Sicherheit werden die Radhose nochmals gewechselt. Nach 6 Minuten geht es auf die letzten 110 KM dachten wir.

Dann unterlief mir, ein verhängnisvoller Fehler. Im Start/Zielbereich war eine Ampel. Ich konnte bei grün durchfahren. Tina und Moni mussten warten. Nach ca.2 KM teilte sich die Strecke. Links ging es auf die 110er, rechts auf die 600/300er. Warum auch immer, ich habe die Schilder, die am Boden standen nicht gesehen und bin falsch abgebogen. Ich dachte, die Strecke würde sich erst in Niederbib teilen.

Nach ca. 1KM kam mir Pius Achermann entgegen. Ich dachte nur, super Peter, er hat ca. 7 KM Rückstand, bei den guten Beinen sieht er Dich erst wieder im Ziel. Anscheinend hatte er in dem Moment nicht registriert, dass ich falsch gefahren bin. Dann merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Tina und Moni, die natürlich richtig abgebogen waren, hatten mittlerweile auch bemerkt, dass etwas nicht stimmen konnte und kamen mir entgegen. Als ich realisiert hatte, was geschehen war, war ich völlig platt. Jetzt kam für einen Moment die Müdigkeit, die Schmerzen im Kreuz im das Ziehen im linken Oberschenkel hervor. Dank meiner Mädels, die mich wieder aufbauten, habe ich das Rennen wieder aufgenommen. Für die 34,6 KM bis Affoltern brauchte ich inclusive des Verfahrens 1,51 Stunden. Das entspricht einem 18,7er Schnitt. Damit war der 2. Platz weg. Ohne den Zeitverlust von über 30 Minuten wäre ich wohl deutlich unter 24 Stunden geblieben. Es sollte nicht sein. So bleibt ein neues Ziel für das nächste Jahr. Ich möchte mich nochmals bei meinen 2 Begleiterinnen bedanken. Sie haben mich super unterstützt. Für die Beiden tut es mir leid, dass ich mich so verfahren habe.

Trotzdem ist mein Fazit positiv. Es war ein super Wochenende. Wie bereits Anfangs erwähnt. Ich wäre mit dem 3. Platz sehr zufrieden gewesen, bin es auch so. Ich konnte nicht erwarten, bei diesem stark besetzen Feld mit meinen 53 Jahren auf dem 3.Platz zu landen.

Dieser Beitrag wurde unter Saison 2006 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Europameisterschaft 2006

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>